Grundsätze des fairen Handels

Das gemeinsame Ziel der Fair-Handels-Unternehmen

Menschen und Umwelt stehen im weltweiten Handel(n) an erster Stelle.
Mit 10 Punkten stärkt die World Fair Trade Organisation die Weltläden und die gesamte Fair-Handels-Bewegung:

„Wie fair ist meine Schokolade?“
Interessanter Vortrag über Fairen Handel mit Wegweiser durch den Dschungel „fairer“ Logos

Fotos:
 Annegret Lueg vom Eine Welt Netzwerk Bayern stieß mit ihrem Vortrag über den fairen Handel auf großes Interesse.

Annegret Lueg vom Eine Welt Netzwerk Bayern stieß mit ihrem Vortrag über den fairen Handel auf großes Interesse.

Pfaffenhofen Was ist Fairer Handel, wie funktioniert er und welchen „fairen“ Siegeln und Logos kann man trauen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Vortragsabends, zu dem der Katholische Frauenbund Pfaffenhofen und der Eine Welt Laden am Dienstagabend eingeladen hatten. Die Frauenbund-Vorsitzende Ursel Sibinger freute sich, trotz „Sauna-Temperaturen“ rund 40 Frauen und wenige Männer im Pfarrsaal begrüßen zu können. Sie alle hörten sehr interessiert den Ausführungen der Referentin zu. Annegret Lueg arbeitet als Fair Handels Beraterin für das Eine Welt Netzwerk Bayern e.V. in Augsburg und erklärte das durchaus komplizierte Thema vor allem am Beispiel fair gehandelter Schokolade.
„Eure Almosen könnt ihr behalten, wenn ihr gerechte Preise zahlt.“ Mit diesem Zitat des früheren brasilianischen Bischofs Dom Helder Camara nannte Annegret Lueg den wichtigsten Grundsatz des Fairen Handels: Die Kleinbauern und anderen Produzenten im globalen Süden erhalten für ihre Erzeugnisse faire Preise, die ihre Unkosten decken und es ihnen ermöglichen, von ihrer Arbeit zu leben. Zwischenhandel wird weitgehend ausgeschlossen, sodass die Lieferketten möglichst kurz sind. Der faire Handel basiert auf Dialog, Transparenz und Respekt, und er fördert Umweltschutz und biologische Landwirtschaft.
Besonders wichtig ist der Faire Handel auch für die Gleichstellung der Frauen und die Bildung der Kinder. Frauen arbeiten nämlich in der Produktion von Textilien, Schmuck, Kunstgewerbe usw. auf allen Ebenen und verdienen damit eigenes Geld. Und das kommt wiederum oft den Kindern zugute, da sie dadurch Schulen besuchen können.
Fair gehandelte Produkte gibt es deutschlandweit in über 900 Weltläden, davon 200 in Bayern. Das ehrenamtliche Engagement begann vor rund 50 Jahren, und inzwischen gibt es in jedem bayerischen Landkreis mindestens einen Weltladen. Auch in Pfaffenhofen wird fairer Kaffee schon seit über 40 Jahren verkauft, und vor über 20 Jahren gründete der Verein „Pirapora“ den Eine Welt Laden in der Auenstraße, der mittlerweile ein sehr breites Sortiment bietet und in dem alle Beteiligten ehrenamtlich arbeiten.
Wie die Referentin erläuterte, ist Kaffee nach wie vor das am stärksten nachgefragte Produkt im Fairen Handel. Aber auch Schokolade, Kakao, Tee und viele andere Lebensmittel sowie verschiedenste Non-food-Waren gehören dazu. Durch klimabedingte Ernteausfälle und den Krankheitsbefall in alten Kakao-Bäumen sind die Preise von Schokolade und Kakao in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen, und bei Kakao gibt es sogar längere Lieferausfälle.
Während der Umsatz in den Weltläden landauf, landab stagniert, steigt er in den Supermärkten und anderen Geschäften, die ebenfalls „faire“ Produkte führen. Diese sind zum Teil auch genauso gut, allerdings erfüllen längst nicht alle die sozialen, ökologischen und ökonomischen Standards des Fairen Handels. Während man im Weltladen sicher sein kann, dass die angebotenen Produkte fair gehandelt sind, muss man im Supermarkt genauer hinschauen, um sich im Dschungel der vielen angeblich „fairen“ Logos zurechtzufinden.
Neben einigen Siegeln, die unabhängigen Kontrollen unterliegen, findet man nämlich auch viele Eigenlabel verschiedener Hersteller, die bei weitem nicht die strengen Kriterien des Fairen Handels erfüllen. Zu den bekanntesten zertifizierten Siegeln bei Lebensmitteln gehören „Fairtrade“, „Gepa“ und „Naturland bio“ u.a. Weitere Infos dazu gibt es im Internet bei der Verbraucherzentrale.
Auch bei Textilien, Lederwaren, Handys und vielen weiteren Nonfood-Produkten finden sich immer mehr „faire“ oder „nachhaltige“ Logos, und auch hier kann man nicht allen trauen. Wer auf Nummer sicher gehen will, erhält auf www.siegelklarheit.de mehr Aufklärung.

 Foto: Elisabeth Steinbüchler